Samstag, 7. Dezember 2013

Blue Yasmine von Woody Allen

Blue Jasmine ist der angenommene Name der Protagonistin (Kate Blanchet), deren geistig und finanziellen Verfall  Woody Allen wieder wie in früeren Filmen gekonnt und unterhaltsam einfängt. Hervorragend spielt Blanchet die  Ehefrau eines New Yorker Finanzmoguls (Alec Baldwin), deren Leben auf Selbstbetrug aufgebaut ist.
Aus Eifersucht zeigt sie Ihren Mann bei der FBI an, ohne die Konsequenzen für sich selbst zu überdenken,
Mittellos zieht Jasmine zu ihrer Halbschwester in San Francisco, deren Lebensstil als Supermarktkassiererin mit zwei Kindern von ihr nur abgelehnt wird. 
Die Illusion, ein Upperclassleben führen zu können, wird kurz weiter genährt, ein wohlhabender Diplomat scheint am Hochzeitshimmel aufzutauchen. 
Der Wunsch ein anderes Leben führen zu können, das eigene nicht akzepieren zu können treibt Jasmine in die Tablettensucht, in die Psychose. Klingt hart, ist aber sehenswert: ein Woody Allen wie früher, gewitzte Dialoge, interessante Personen und wohldosierte Überraschungen.

The counselor von Ridley Scott, Drehbuch von Cormac Mc Carthy

Es ist wie in der Politik, die Sachthemen sind ohne jeden Belang, von Interesse ist nur, wer auftritt. Spielt Gutenberg den Verteidigungsminister  fragt die Presse nach der Farbe des Kleides der Gattin, und nicht nach der Abschaffung der Wehrpflicht.
Macht Scott einen Thriller mit Penelope Cruz, Brad Pitt, Cameron Diaz, Javier  Bardem, Michael Fassbender und - ach ja Bruno Ganz als Diamantenhändler dann ist der Inhalt Nebensache. Dass der Pulitzpreisträger Mc Carthy die Drogendealer, Killer und Anwälte über philosophische Themen schwadronieren läßt, hebt den Film auf die Ebene von "How I met your mother", dementsprechend fallen die Lacher im Kinosaal aus. Dass nebenbei auch Morde passieren, ist dem gelangweilten Publikum ziemlich egal. Durch plumpe Andeutungen wußte man nicht nur, wer stirbt, sondern auch wie!
Das Grenzland zwischen Mexiko und USA, das Wüstengebiet , - so lautet angesichts des verkorksten Films das Urteil eines hilflosen Filmkritikers ,  sei der eigentliche Hauptdarsteller des Films.
Michael Fassbender, vom letzten Film als leidender Sexsüchtiger bekannt, darf im Vorspann unter der Bettdecke mit Penelope Cruz aktiv werden, danach ist es aus mit seinen Aktivitäten. Wie ein Volltrottel läßt er sich ins Drogengeschäft ein, hört den philosophischen Tiraden der Dealer zu, und verliert alles.

Ich hätte erwartet, dass Ridley Scott, der filmische Ästhet das sicher irgendwie anspruchsvolle Drehbuch, zumindest in überzeugende, bewegende Bilder packt: 
Jede Szene, ob in der Luxusvilla des Drogenbarons oder  in der miesen Garage der Drogenverpacker in Mexiko oder beim Ausritt mit Leopardenbabies in der Wüste! nichts, gar nichts beeindruckt. Alles wirkt so falsch wie die DekoKakteen und das Ballerman-Outfit von Bardem
Ein in sich stimmiger Anti-Thriller!





The Butler von Lee Daniels, Forest Whitacker

 Lee Daniels verfilmt mit viel Fiktion die Biographie des afroamerikanischen Butlers Eugene Allen, der seit den 50er Jahren im Dienst von 8 Präsidenten stand. Obwohl die  schwarze Bürgerrechtsbewegung , der Vietnamkrieg  packende Themen zur Dramatisierung abgegeben hätten, plätschert der Film langweilig vor sich hin. Die Präsidenten werden jeweils von bekannten Schauspielern gespielt, John Cusack Nixon, Robin Williams Eisenhower, Liev Schreiber Lyndon B. Johnson. Jane Fonda taucht kurz als Nancy Reagon auf, die alkoholkranke Ehefrau des Butlers (Forrest Whitacker)  mimt sogar die Moderatorin Oprah Winfrey. 
Sehr  viele bekannte Persönlichkeiten und Schauspieler versuchen ihr Bestes, dennoch der Film bleibt blutleer. Die Gegenüberstellung des Privatlebens des Butlers mit der Zeitgeschichte wird zum statischen, chronologischen Abnudeln der amerikanischen Geschichte ohne Aussage. Mir gelang es überhaupt nicht , mich auf die Geschehnisse der Butlerfamilie einzulassen, die wirklich  tragischen Momente gingen bis auf die Eingangsszene in den Baumwollfeldern des Südens völlig unter. Zur  Zeitgeschichte wären Dokumentaraufnahmen besser gewesen als überzeichnete Schauspieler im Oval Office.
Als glorioses  Ende wird natürlich Obamas Amtseinführung gezeigt, als wäre damit der Himmel auf der afroamerikanischen Erde eingekehrt. Das Leben  des Eugen Allen mit allen Erniedrigungen, die Zeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Black Power, die Jahrzehnte im Zentrum der amerikanischen Macht, das wäre Stoff für einen tollen Film.

Sonntag, 29. September 2013

Zwei Leben Regie und Drehbuch von Georg Maas

Zwei Leben wird als deutscher Film ins Oscarrennen gehen, so will es die entsprechende Jury. Sicher hat der Film gute Chancen, da Filme, die  kritische Zeiten deutscher Geschichte konventionell und spannend verfilmen, gerne prämiert werden. Aus meiner Sicht hätte es dem Film gut getan, wenn der komplexe, mit etlichen Rückblenden gefilmte Plot um vielfaches Unrecht im Nationalsozialismus und in der DDR mehr Kontinuität und psychologische Innensichten gezeigt hätte. Dennoch sehenswert, Juliane Köhler als ehemalige Stasiagentin in Norwegen, Liv Ullmann als berührende Urgroßmutter, überwältigende Emotionen, Enthüllung von gewaltigen Lebenslügen vor grandioser norwegischer Kulisse.
Vor allen Dingen packt natürlich die Tatsache, dass das Geschehen sich an wahren Begebenheiten orientiert. Es ist grausig zu hören, dass norwegischen Frauen, die mit deutschen Besatzungssoldaten Kinder hatten, die Kinder weggenommen wurden. Diese kamen zur "Auffrischung arischen Blutes" in deutsche Kinderheime. Nach Kriegsende konnte kaum eine Familie  wieder zusammenfinden.
Kinderheime in der DDR nutzten diese Kinder nochmals aus und drillten sie auf Spionagetätigkeiten.
Zwei Leben versucht leider nur des Guten zuviel, will Agententhriller und Psychodram gleichzeitig sein und überfordert vor allen Dingen den historisch unbewanderten Zuschauer.

Sonntag, 15. September 2013

White house down von Roland Emmerich

 Actionfilm White house down von Roland Emmerich, der in seinem Genre  hält, was er verspricht, spannende, unlogische Handlung um die Einnahme des Weißen Hauses und die Festnahme des amerikanischen Präsidenten. Immer wieder bin ich überrascht, dass gerade ein gebürtiger baden-württembergischer Regisseur die superpatriotischten Filme Hollywood zustande bringt und in fesselnde Bilder und voraussehbare Handlung packt. 
Nachdem ich schon vorletzte Woche im Popcornkino Elysium gesehen habe, kenne ich nun zwei Helden dieses Filmherbstes, Channing Tatum und Matt Damon, die beide wie verrückt  kämpfen können, Gefahr über Gefahr überstehen ......und natürlich siegen. In White house down  wird der afroamerikanische Präsident im Jahr 2013 gerettet, die Verhältnisse stabilisiert, in Elysium im Jahr 2154 wird eine brutal in Arm und Reich gespaltene Gesellschaft aufgehoben. Die Verelendung der auf der Welt zurückgebliebenen  Menschen, die von den Reichen auf dem künstlichen Planeten Elysium lebenden Menschen ausgebeutet werden, ist das Haupthema. Bei Emmerich übernimmt ein erkrankter Sicherheitschef des Weißen Hauses die Rolle des Bösen, ein klassischer Hollywoodactionfilm mit viel Pathos, ein Quentchen Humor,  Hubschrauber, Raketen, Air Force one und Herumgelaufe und Geklettere im Weißen Haus.
Wen es nach Action drängt, der Science fiction Film wäre meine erste Wahl, 
bis zum nächsten Mal 
grüßt Movidora

Sonntag, 1. September 2013

Paulette von Jérôme Enrico mit Paulette Lafont

Wieder gibt es eine wunderbar unterhaltsame französische  Sozialkomödie zu sehen Paulette. Paulette eine verarmte ehemalige Konditoreiinhaberin fängt an mit Drogen zu dealen, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Die leider vor wenigen Tagen verstorbenene Grande Dame Paulette Lafont der Nouvelle Vague, die mit Truffaut, Rivette schon in den 60er Jahren große Erfolge feierte, überzeugt in diesem zweifachen Coming out der alten Dame. Aber alle Schauspieler, ihre Familie, ihre Freundinnen, die jugendlichen Kleindealer und die Bosse, alle spielen überragend. Die Dialoge sprühen, sowohl vor Gift gegen die anfangs verhaßten "Schwarzen ", teils Buschdrommel genannt als auch vor Esprit, Wortwitz. Sogar in der deutsche Übersetzung kommen alle Milieus, alle Personen hervorragend zur Geltung.
Der Regisseur Jérôme Enrico hat mit seinen Studenten zwei Jahre lang das Drehbuch erarbeitet, tolle Leistung!

Montag, 12. August 2013

Gloria mit Paulina García von Sebastían Lelio

Die chilenische Tragikkomödie Gloria hat beim Filmfestival in Berlin 2013 große Anerkennung beim Publikum gefunden. Aus meiner Sicht verdienen Hauptdarstellerin und Regisseur zu Recht. Der Regisseur Sebastían Lelio wollte mit dieser Personenstudie zur Figur Gloria seiner Mutter ein Denkmal setzen. Gloria ist eine nicht ganz 60 jährige alleinstehende Frau, die immer noch lebenslustig ihren Arbeits- und Liebesalltag verbringt, nachdem Scheidung und Kindererziehung schon weit zurückliegen. Wie es ihr gelingt, ihre Freiheit auch in einer neuen Beziehung  zu verteidigen, wie sie würdevoll mit allen Problemen umgeht, die im heutigen Chile zu meistern sind, haben mir sehr gut gefallen. Immer wieder unauffällig eingefügte Szenen verweisen auf eine tiefere Ebene,  auf die Brüchigkeit der chilenischen Gesellschaft, der neue Freund ein ehemaliger Marinesoldat, die Kochtopfdemonstrationen, die nach Europa auswandernde Tochter sowie auch Anzeichen auf die beginnende Brüchigkeit des Körpers einer älteren Frau. 
Das Schlussbild zum Song Glo....o..ria von Tozzi  zeigt uns nochmals Gloria bei ihrer Lieblingsbeschäftigung beim Tanzen und Singen.

Donnerstag, 8. August 2013

La grande belleza von Paolo Sorrentino

Direkt aus Sardinien zurück bin ich heiteren Gemütes ins italienische Sommerkino gegangen. Die angekündigte Überlänge des Films machte mich allerdings leicht skeptisch, aber dennoch... Sorrentino....
Langweilig war es  leider bis zum Ende, dröhnende Partymusik, gelangweilte Gesellschaftsbilder  im sommerlichen Rom. Man mußte an "la noia" von Moravia denken, die noia, die Langweile wurde zum Dauerzustand in den 145 Minuten. Felliniske Anlehnungen aus mehreren seiner Filme: eine Zwergin als Chefredakteurin,  ein alternder Beau (Toni Servillo) ein Journalist wie der junge Mastroiani in "La dolce vita". Gerne hätte man  mehr Szenen, die originell Zeitkritisches wie die Botoxparty oder die Eventkunst eines unglücklichen Kindes zeigen ,  oder auch klerikale Verkrustungen . 
In deutscher Synchronisation wird der Film noch weniger ansprechend, weil der römische für manche Ohren teils arrogant teils vulgär klingende Dialekt hervorragend paßt. Warum Sorrentino sich nach Il Divo und Cheyenne auf eine inhaltsleere, elegant gefilmte Anreihung von Episoden aus der Perspektive eines alternden Beaus kapriziert, erschließt sich mir nicht. 
Dieser gut gekleidet Herr lebt und feiert in seiner Wohnung direkt gegenüber des Colloseums, was als Location  für untergegangene und untergehende Dekadenz sich natürlich hervorragend eignet.
Adam Soboczynski schreibt in seiner lesenswerten Filmkritik in der ZEIT  über die Kunst der Dekadenz, die auch darin besteht, schonungslose Wahrheiten unter keinen Umständen auszusprechen. In diesem Sinn bin ich jetzt mal absolut nicht dekadent: der Film ist zu lang und zu langweilig. 
Mit besten Grüßen, vielleicht auch nach Italien
Movidora

Mittwoch, 3. April 2013

Der Geschmack von Rost und Knochen von Jacques Audiard, Drehbuch Thomas Bidegain


Ein aufregender, höchst emotionaler Film um zwei außergewöhnliche Menschen, deren Wege sich kreuzen: ein arbeitsloser, gefühlskalt wirkender Exboxer mit einem kleinen Sohn und einer Tierdompteuse ohne Unterschenkel!
Die Schwertwaldompteuse, bald Exdompteuse wegen des so folgenreichen Arbeitsunfalls, wird gespielt von Frankreichs einziger Oscarpreisträgerin Marion Cotillard.  Regisseur Jacques Audiard hatte sich bereits mit dem Gefängnisfilm  „Ein Prophet“  und "Wenn Männer fallen" einen Namen gemacht.
Der Geschmack von Rost und Knochen wurde 2012 auch mit einem César und vielen Preisen außerhalb Frankreichs ausgezeichnet. 
Mir scheint, dass zur Zeit  neben der leichten Unterhaltung,  die mit der Côte d Azur, Eiffelturm bei Nacht, Haute cuisine und Haute culture assoziert werden, eine neue Unverblümtheit, eine neue Körperlichkeit in Frankreich Anerkennung findet.  In La guerre est déclarée ging es um die Krebserkrankung des eigenen Kindes der Regisseurin, in Der Geschmack von Rost und Knochen um Armut, illegale Boxkämpfe und Überwachungsmaßnahmen und sehr ungewöhnliche Sexszenen mit der amputierten jungen Frau. Diese ungeschönte Körperlichkeit wird zum Thema, auch in Interviews. Natürlich sind Cotillard und Matthias Schoenarts, der belgische Schauspieler, trotz übler Lesionen  nicht häßlich anzusehen.
Dass das 5jährige Söhnchen des Protagonisten in Todesgefahr gerät, im Kampf das Blut fließt und der Zuschauer  den Geschmack des Blutes fast im Mund zu spüren scheint, alle diese aufwühlenden Szenen sind jedoch gelungen. Sie wirken nicht an den Haaren herbeigezogen, obwohl sich die Fülle an Schicksalschlägen, Schlägen überhaupt sehr häuft. Audiard hat die Erzählung eines kanadischen Autors  Craig Davidsons mit Hilfe des Drehbuchauors Bidegain zu einem bewegenden Film mit packenden Dialogen und Szenen verarbeitet. Alle Schauspieler sind hervorragend ausgewählt und überzeugen in ihren ungewöhnlichen Kontexten sowohl der Tierszenen im Aquapark als auch im halbillegalen Sicherheitsdienst. Die psychischen Entwicklungen der Protagonisten und die schrittweise, äußerst ungewöhnliche Annäherung hin zu einer Liebesbeziehung wirken harmonisch und nachvollziehbar. Ein harter, ergreifender Film aus einem fremden Milieu in Frankreich, den man nicht verpassen sollte.
Mit besten Grüßen
Movidora

Freitag, 22. März 2013

The best offer von Giuseppe Tornatore (Regie und Drehbuch)

Richtig gespannt war ich, den neuen Film von Giuseppe Tornatore zu sehen. Bereits "Die Legende vom Ozeanpanisten" oder früher " Cinema paradiso" haben seine Klasse mit nostalgischen, klassisch gedrehten Filmen gezeigt. Dieses Mal hat er sich auf einen Thriller ohne Actionszenen und Gewalt eingelassen, der im Kunst- bzw Auktionärsmilieu spielt. Und spannend hat er  den Film wirklich mit den klassischen Mitteln gestaltet . Die Zutaten sind ungewöhnliche Charaktere voller Entwicklungspotential,  eine agoraphobe junge Frau, eine alte Villa, Verstecke, eine geheimnisvolle Apparatur aus dem 18. Jhd. , eine Zwergin und viele hervorragende Gemälde, Portraits von schönen Frauen. 
Dazu hat Ennio Morricone die Filmmusik  komponiert,  jede Szene ist ein Gesamtkunstwerk. Die Schauplätze - trotz Agoraphobie gibt es einige wenige außerhalb der Villa -  sind hervorragend gewählt. Besonders gefallen hat mir eine Szene in Prag!
 Geoffrey Rush und Donald Sutherland glänzen in ihren Rollen als ältere, langjährige Freunde. Der erfolgreiche menschenfeindliche Auktionär und Antiquitätenhändler und der erfolglose Künstler haben bis zum überraschenden Ende gemeinsam manches Kunstwerk erschwindelt. In allen Szenen in dem 124 minutenlangen Film nimmt sich Tornatore Zeit, um die Personen aufzubauen, die Szenen zu entwickelen, und dennoch blieb der Film immer faszinierend.
Man könnte "the best offer" auch als romantische Liebeskomödie sehen, alter distingierter Kunstkenner verliebt sich in schöne Geheimnisvolle.
Was halt in höherem Alter, -  Protagonist wurde zu Filmbeginn  63 Jahre alt , -  so alles passieren kann!
Laßt Euch überraschen 
mit besten Grüßen
Movidora 

Sonntag, 10. März 2013

Quartett von Dustin Hoffman, Drehbuch Ronald Harwood

Quartett Dustins Hoffmans erste Regiearbeit hat Schwung, Musik, Humor, Ästhetik und dies alles trotz Drehort "Altersheim"! Wie kann das sein?
In Beecham House leben pensionierte Opernsänger zusammen, wunderbar betreut in edel arrangierten Räumen, im Garten in idyllischer Landschaft und dazu .... allen älteren Herrschaften ist die  Musik Aufgabe und Leidenschaft zugleich geblieben. Deshalb habe ich das Interview mit Gwyneth Jones vorangestellt, die als wirkliche Opernsängerin von Weltruf die Konkurrentin der Hauptrollendiva (Maggie Smith) übernommen hat.
In der ZDF Mediathek gibt es ein Interview auf deutsch, perfekt frei gesprochen, in der Gwyneth Jones strahlend sagt:
"Jede Etappe des Lebens hat andere Schönheiten". Aktiv Musik zu machen, muss ein Alterselixier sein.

Ihre Aussage  kann als Motto dieses wunderbaren Films gelten. Dustin Hofmann wagt sich mit 75 Jahren an sein erstes Regiedebut. Ronald Harwood, bereits für "Der Pianist" mit dem Oscar ausgezeichnet, schreibt ein Drehbuch voller  spritziger Dialoge im bestem britischen Stil.  Die ganze Riege von hervorragenden Schauspielern wie Maggie Smith, Tom Courtney, Billy Connoly und  Musikern, die auf der Bühne so flott schauspielern und musizieren, dass die Zuschauer einfach nur staunen, diese Menschen sind der beste Beweis für den Satz.
Am Ende des Films würdigen Fotos aus der frühen aktiven Zeit der Musiker sehr bewegend deren Künstlervita.
Da stört es auch nicht, dass das Thema schon am Beispiel von  Verdis Residenz für alternde Opernsänger vor Jahren verfilmt wurde, dass Cissys (Pauline Collins) charmante Vergeßlichkeit  bald in eine ausgewachsene Demenz übergehen wird und dass Beecham House eigentlich eine für Hochzeiten zu mietende Villa bei London ist.  Der Film könnte besser nicht sein.
Viel Spaß wünscht euch
Movidora

Mittwoch, 27. Februar 2013

Resume nach Schreibpause

Die letzten Monate hat ein junger Gast mich mehr zu Hause gehalten, spontane Kinobesuche fielen aus, die Zeit zum Schreiben, die Muße fehlte. Das äußerst graue Winterwetter kam dazu, so dass Farbe und action filmtechnisch gesehen über Serien und DVDs ins Haus kamen.
Dennoch habe ich einige der gerade prämierten Oscarfilme gesehen: Silver linings, Django unchained, Lincoln und unberücksichtigt leider Zero Dark Thirty. Prämiert als bester Film wurde der im Blog im November besprochene Argo, den ich unterhaltsam und spannend fand, jedoch keineswegs ein Meisterwerk. Die politische Botschaft, - CIA gelingt Meisterstück der gewaltfreien Geiselbefreiung im Iran, - wurde zudem in Szene gesetzt, dadurch dass  Michelle Obama Argo bei der Oscarverleihung per Liveschaltung aus dem Weißen als Gewinner  präsentierte.   
Zero Dark Thirty - auch eine CIA-aktion -  zeigt die Jagd auf  Osama Bin Laden: nach der hartnäckigen Suche einer  CIA Agentin (Jessica Chastain) wird er aufgespürt und von einer amerikanischen Spezialeinheit getötet. Die gezeigten Fakten unterscheiden sich nicht sehr von den uns allen bekannten,  die Regisseurin Kathryn Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal hatten allerdings Zugang zu geheimen Unterlagen.
Das Außergewöhnliche und Anstößige des Films sind Folterszenen in Guantanamo, die von einem Agenten durchgeführt werden, den man kurz darauf als sympathischen gut aussehenden Herrn im Anzug wie in einem Businessmeeting erlebt. In der amerikanischen Presse gab es Diskussionen, ob das Darstellen von water-boarding Szenen  das Foltern verharmlost, bzw. seine Effektivität  den Einsatz legitimiert. Interessant finde ich, dass der Film bis nach der Präsidentschaftswahl zurückgehalten wurde, um  eine Beeinflussung der Wähler zu vermeiden!
Aus meiner Sicht hat Kathryn Bigelow wieder viel erreicht, eine Debatte zu Guantanamo und  eine hervorragend gefilmte Aufarbeitung der realen Geschehnisse spannend bis zum Ende. 
Aber the Oscar goes to Argo, amerikanischem Lokalpatriotismus sei Dank! 
Die Iraner sind pikiert, die Kanadier, die mehr Anteil am Erfolg der Aktion hatten als im Film  dargestellt, sind es ebenfalls, aber Ben Affleck, Regisseur, Hauptdarsteller und Freund der Obamas ist very happy.

Lincoln Spielbergs historisches Drama um das Bemühen des Präsidenten auf parlamentarischen Weg, die Sklaverei abzuschaffen und den Bürgerkrieg zu beenden hat mich zutiefst gelangweilt. Auch wenn Day-Lewis wunderbar den kauzigen humanen und dennoch cleveren Präsidenten gab, waren mir die Parlamentsdebatten zumindest in der deutschen Fassung viel zu monoton. Vielleicht muss man amerikanischen Geschichtsunterricht genossen haben, um sich darauf einzulassen.
Silver Linings  ist eine romantische Komödie, in der  zwei traumatisierte Personen nach langem Hin und Her  bei einem Tanzwettbewerb !!  zueinander finden. Die Mischung von Psychodrama und romantischer Kömodie war wegen Robert de Niro in einer Nebenrolle und Jessica Lawrence in der Hauptrolle zumindest gut gespielt. 
Nicht gesehen habe ich Amour von Heneka und Life of Pi von Lee Ang, dem Regisseur von Brockback Mountain, beides sicher sehenswerte Filme. Toll natürlich, dass ein östereichischer Regisseur mit einem Kammerspiel um die Liebe in der letzten Lebensphase bei der Oscarverleihung berücksichtigt wird.

Empfehlen würde ich auf alle Fälle Zero Dark Thirty,  (die Uhrzeit des Angriffs auf Bin Ladens Haus) von einer außergewöhnlichen Regisseurin. Bigelow ist die  einzige Regisseurin, die bisher einen Oscar für beste Regie erhalten hat mit ihrem Film The Hurt Locker über Minensucher im Irakkrieg. 
Ihr gelingt es in beiden Filmen Kriegsgeschehen realistisch ohne Pathos noch ausgesprochener Anklage in atemberaubende Szenen einzufangen.
Was dadurch in den Köpfen des Publikums geschieht, weiß ich natürlich nicht, vielleicht schreibt ihr mir etwas dazu?

Mit besten Grüßen
Movidora

 
 

Samstag, 1. Dezember 2012

Love is all you need von Susanne Bier, Drehbuch Anders Thomas Jensen

Der dänische Titel "den skaldede frisor"  -  die kahle Friseuse läßt eher die ernste Seite dieser Komödie erahnen als der abgedroschene Titel des Beatlessongs Love is all you need. Nachdem Susanne Bier vergangenes Jahr den Oscar für den besten ausländischen Film und den Europäischen Filmpreis für Regie für "In einer besseren Welt" erhalten hatte, war meine Erwartungshaltung groß.  Nachvollziehen kann ich den Genrewechsel: nach einer bewegenden Geschichte  in Afrika jetzt eine Komödie an der wunderbaren italienischen Mittelmeerküste zu drehen, macht  vielleicht auch mal Spaß. Für die Story hat Susanne Bier mit Pierce Brosnan  einen großen Schauspieler gewonnen, dessen Ausstrahlung   die sehr gute dänische Schauspielergruppe in den Hintergrund treten läßt. Unglücklicherweise hat er auch noch eine ähnliche Rolle wie in Mamma mia inne, der Braut, bzw.Bräutigamvater der jungen Protagonisten, so dass ich stellenweise nur darauf wartete, dass auch noch gesungen wurde.
Die Story: eine erkrankte Frau, kahl nach der Chemo, wird vom Ehemann betrogen, fährt zur Hochzeit ihrer Tochter nach Italien, lernt durch einen Auffahrunfall den Vater des Bräutigams kennen und Love is .... 
Zur Trauung des jungen Paares kommt es allerdings nicht, weil homosexuelle Tendenzen des Bräutigams die Idylle stören.  Wie andere Szenen,- die brustkrebsoperierte Protagonistin ist nackt beim Bad im Mittelmeer zu sehen, ein junges anorektisches Mädchen bricht zusammen, der erzählte Unfalltod der Mutter des Bräutigams, -  unvermittelt neben den slapstickartigen, derben Szenen dieses RomCom-Films stehen. Ähnlich abrupt werden nächtliche Landschaftsbilder, die untergehende Sonne überm Mittelmeer, belebte Strandbilder eingeblendet, romantische Aufnahmen, deren Funktion an der jeweiligen Stelle sich mir nicht erschloss.
So sehr  der Film in seiner Offenheit und  Schonunglosigkeit in vielen Szenen berührt, genauso wenig überzeugt er als Gesamtwerk mit Happyend im Zitronenhain. Als wenn der italienische Tourismusverband  die erfolgreiche Regisseurin Susanne Bier gezwungen hätte, vor Ort eine Komödie zu drehen, ihr der Sinn aber eigentlich nach anderm stand.
Mit besten Grüßen
Movidora


Freitag, 30. November 2012

Europäischer Filmpreis 2012 Malta

Morgen wird in Malta der Europäische Filmpreis zum 25. Mal verliehen. Dieses Jahr sind in der Hauptkategorie folgende Filme nominiert:
http://europeanfilmawards.eu/en_EN/nominations/films 
Von deutscher Seite wünsche ich  Barbara von Petzold viel Erfolg. Aber sehr wahrscheinlich hat der französische Kassenschlager Ziemlich beste Freunde ( Intouchables) die größten Chancen.  Hanekes Amour, ein Film über ein sehr altes Paar, wollte ich nicht unbedingt sehen. Zu bedrückend fand ich schon den mehrfach ausgezeichneten Film Das weiße Band.
Hier im Blog wurde sowohl Shame  besprochen als auch  Cesare deve morire  der Brüder Taviani erwähnt. Die dänischen Filmemacher beeindrucken zur Zeit nicht nur mit guten Fernsehserien wie Borgen, immer donnerstags in Arte, sondern auch mit Filmproduktionen wie The Hunt von Thomas Vinterberg. 
Aus den eben genannten 6 Filmen wird der beste ermittelt , darüber vielleicht mehr nach der Verleihung.

Um nicht nur den europäischen Filmpreis insgesamt zu würdigen, sondern die Dänen konkret durch meine Kinokarte zu unterstützen, mache ich mich jetzt auf in
Love is all you need von der dänisch-deutschen Regisseurin Susanne Bier!

Frau Bier über die Liebe, mal sehen, wie es mir gefällt.
Viele Grüße
Movidora

Samstag, 10. November 2012

Argo von und mit Ben Affleck, Produzent George Clooney

Argo der Politthriller hat die Geschehnisse nach der Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran ziemlich genau vor 33 Jahren zum Thema. Ben Affleck spielt den CIA Agenten Mendez, dessen Auftrag es ist,  sechs US Konsulatsmitarbeiter aus dem  revolutionären Iran in Sicherheit zu bringen Diese Gruppe konnte sich in die kanadische Botschaft retten, befindet sich jedoch zunehmend in Gefahr.  Die amerikanische Botschaft wurde am 4. November von iranischen Studenten besetzt, die die Herausgabe des Schahs forderten. Der Schah war nach seiner Flucht von Präsident Carter  zur medizinischen Behandlung in die USA aufgenommen worden. Chomeini hatte damals November 1979  noch nicht völlig die  Macht inne, ihm kam die Besetzung der amerikanischen Botschaft und die Unruhen sehr entgegen, um  abzulenken und liberale Gegenströmungen auszuschalten .
Als Vorspann zum Film wird in einem Storyboard den Zuschauern in ein paar Minuten die Geschichte Persiens und die weniger ehrenwerte Aktion der USA zur Inthronisierung des Schahs vor Augen geführt. 
Zur Geschichtslektion verwandelt sich der Film dennoch nicht.  Dass  60 amerikanische Botschaftsmitarbeiter über ein Jahr in der Botschaft gefangen gehalten wurden, sie waren als Geiseln unter anderem ein Faustpfand für Chomeini im Geschacher um iranische Gelder, - diese Geschehnisse gehen unter. 
Argo als Politthriller  fokussiert die Rettungsaktion und nicht den politisch-historischen Hintergrund, das ist auch in Ordnung. 
Der Film bleibt sehr spannend bis zum Schluß, als Mendez versucht die Amerikaner als kanadische Filmcrew aus dem Land zu bringen. Die CIA hat tatsächlich vorgetäuscht einen Science-fiction Film - Argo - zu produzieren, um diesen spektakulären Rettungsversuch zu untermauern. 
Sehr amüsant und toll gespielt sind die Szenen, in denen Hollywood sich selbst und sein Business der  Vorspiegelung von Tatsachen auf die Schippe nimmt. Den Maskenbildner aus Hollywood John Chambers,  und den falschen, echten Produzenten gab es wirklich.
Der  historische Stoff enthält per se schon fast alle Elemente eines Politthrillers. Er wurde erst  jetzt verfilmt, weil die Aktion jahrzehntelang geheimgehalten wurde. 
Hätten Affleck und Clooney das Ende ein bißchen weniger hollywoodesk in Szene gesetzt,  hätte Argo mir sehr gut gefallen.  Immerhin ist der 4. November immer noch ein Gedenktag im Iran und jegliche Überzeichnung hätte ohne Qualitätseinbuße vermieden werden können. 
Dieses Mal war ich ohne  iranische Freunde im Kino, besser das nächste Mal wieder.
Mit bestem Gruß 
Movidora

Freitag, 2. November 2012

Schauburg Karlsruhes Programmkino

Herzlichen Glückwunsch an das

Programmkino SCHAUBURG in KARLSRUHE 

für den Hauptpreis,  bestes Filmprogramm



Jahrelang erhielt die Schauburg immer wieder Förderpreise für ihr hervorragendes Programm , gestern zum ersten Mal den Hauptpreis. Herbert Born, der Leiter des Kinos, kann stolz auf seine Arbeit sein. Nächstes Jahr wird die Verleihung der Preise in Karlsruhe stattfinden.  Der Kulturstaatsminister Neumann wird hoffentlich den Weg zum  Veranstaltungsort finden. Neumann setzt sich dafür ein, dass Filmförderung nicht nur Wirtschaftsförderung zum Ziel hat, sondern weiterhin zu den Aufgaben  der Kulturförderung gehört. Die EU - Kommission will in diesem Bereich limitierende Auflagen erlassen.

http://www.programmkino.de/cms/news.php?id=5765&PHPSESSID=7d06108cd372eca096ba9341e7940610

Viele Grüße aus dem bewegten Süden 
Movidora

Donnerstag, 1. November 2012

Filmfestivals November 2012

Am 9. November beginnt in Rom ein neues europäisches Filmfestival, und fast gleichzeitig startet in Heidelberg und Mannheim bereits zum 61. Mal das internationale Filmfestival, das nicht nur im Süden Deutschlands seinen sehr guten Ruf ausbaut. Also für Festivalfans eine tolle Möglichkeit, sei es direkt oder durch Printmedien  die neuesten filmischen Entwicklungen auch abseits des Mainstreams mitzukriegen.
Desweiteren wird zur Zeit auch noch in rund 30 Städten die Italiafilmtournee http://www.cinema-italia.net/2012 gezeigt. Sechs außergewöhnliche neue italienische Filme werden  mit staatlicher Unterstützung dem deutschen Publikum vorgeführt. In Karlsruhe zum Beispiel bringt der lokale Filmklub diese Filme in Italienisch, deutsch untertitelt. Auf der Homepage gibt es alle Angaben über Städte, Spielorte und anschauliches Material zu den 6 ausgewählten Filmen. 
Besonders gefallen hat mit die Auswahl: junge Regisseure und der Altmeister Giuliano Montaldo mit dem Film L´industriale. Er greift darin die aktuelle Wirtschaftslage auf, "deren Opfer und machtlose Beobachter wir sind," und   " Ich weiß nicht, wer diesen gigantischen Scheiterhaufen entzündet hat, auf dem das Geld der arbeitenden Menschen verbrannt wird." Montaldos Film Sacco und Vanzetti hat schon vor vielen Jahren seine Klasse als scharfsichtiger politischer Künstler unter Beweis gestellt. 
Zwei Regisseurinnen Marina Spada mit IL mio domani und Alice Rohrwacher mit Corpo celeste bringen  außergewöhnliche Debütfilme. Italiens Künstler haben immer noch vieles zu bieten!

Das Programm des internationalen Filmfestivals Mannheim/ Heidelberg steht dieses Jahr unter dem Motto Leben! aber wie ?
Festivaldirektor Dr. Michael Kötzs gleichnamiger Essay gibt Hinweise unter welch weiten Bogen der Glückssuche die Festivalfilme ausgewählt wurden. Alles zu lesen unter www.iffmh.de (Internationales Filmfestival Mannheim Heidelberg).

Viele Grüße zum intensiven FilmNovember
Movidora

DrD

Sonntag, 28. Oktober 2012

Robot and Frank von Jack Schreier mit Frank Langella und Susan Sarandon

Eine tolle Eingangsszene macht uns mit dem alten Juwelendieb Frank (Frank Langella) und dessen Problem bekannt, die Vergeßlichkeit, die Demenz. Nach geglücktem Einbruch in ein Haus, erkennt er an einem Foto, dass er sich selbst bestehlen wollte. 
Sein Sohn Hunter ( James Marsden) versucht, ihm bei der zunehmend erschwerten Bewältigung des Alltags zu helfen . Er bringt unaufgefordert einen Pflegeroboter in das leicht verkommene Haus seines Vaters in grüner Idylle.
Frank ist dem Roboter zunächst äußerst kritisch eingestellt, erkennt aber bald, dass er ihm Kunststückchen beibringen kann. Als ehemaligem Meisterdieb kann man sich vorstellen, welcher Art diese Tricks sind.
Franks Tochter Madison (Liv Tyler) kommt zusätzlich von einem Auslandseinsatz zu ihrem Vater zurück.  Sie  will eine mögliche Abhängigkeit ihres Vaters vom Roboter verhindern, jedoch da ist es  schon zu spät dafür, Frank und Robot sind ein richtigesTeam geworden. Den Dialogen der beiden zuzuhören, macht Spaß , Schreier hat  den Science-Fiction Charakter jedoch nicht überstrapaziert.
Aus meiner Sicht wurde der erste Film Robot and Frank des Regisseurs Jack Schreier zu Recht beim Sundance Festival 2012 ausgezeichnet, weil er mit einfachen Mitteln ein mit unerwartetenden Wendungen aufwartende Geschichte erzählt, die an keiner Stelle rührselig wird.  Frank Langellla, die Menschen um Frank,  eine "befreundete" Bibliothekarin ( Susan Sarandon), seine zwei Kinder Hunter und Madison spielen mit der passenden Intensität und Überzeugungskraft in diesem tragisch-komischen Genremix.

Die Thematik um den Verlust der Identität durch Gedächtniseinbußen, um das Entstehen und  Bewahren von Gefühlen  kommt durch die Hintertür ins Bewußtsein der Zuschauer, die Gauner- und Roboterfreundschaftsgeschichte unterhält nebenbei  bis zum Schluß. 
Der Abspann zeigt bereits existierende Roboter bei Pflegeeinsätzen und manch einer von uns älteren Zuschauern muss dann doch schon mal schlucken.
Aber der Robot war wirklich sympathisch und dies läßt für die Zukunft hoffen!

Bis bald 
Movidora

Mittwoch, 24. Oktober 2012

People like us - Zeit zu leben von Alex Kurtzman,Regie und Drehbuch K. und Roberto Orcis

People like us - ein Feel-Good-Movie, das vom Regisseur Kurtzman nach einer wahren Begebenheit mit den Schauspielern Chris Pine und Elizabeth Banks in den Hauptrollen ansprechend umgesetzt wurde. Die Geschichte, die den Protagonisten Sam zu einem besseren Menschen machen könnte, ist schnell erzählt. Nach dem Tod seines Vaters erfährt Sam , dass er eine etwa gleich alte Halbschwester Frankie hat, der er zu allem Verdruß  das gesamte Erbe 150 000 Dollar überbringen soll. Geld, das er wegen beruflicher Schwierigkeiten selbst gut brauchen könnte. Ob er sich wirklich durchringt, seine Halbschwester und deren 11jährigen Sohn in ihrem schwierigen Leben zu unterstützen, ist meist unterhaltsam anzuschauen. Der lebenslustige Bindungsgestörte, die alkoholkranke Alleinerziehende, der gefühlskalte Vater könnten alle als Klischees dargestellt werden, jedoch gelingt es Kurtzman kurz vor der Schwarz-Weißzeichnung noch eine Wendung einzubauen.
Michelle Pfeiffer ist leider aus dem Alter der schönen Geliebten herausgewachsen und spielt die kranke Mutter, die ihren Mann davon abhielt, Kontakt mit der nebenehelichen Tochter aufzunehmen. Um so erfrischender und überzeugend gibt Elizabeth Banks die Halbschwester, die  Barjob, Treffen der Anonymen Alkoholiker und Erziehung ihres Sohnes unter einen Hut bringen muß. 
Banks spricht den kurzen Vorspann vor dem Trailer. Chris Pine kennen manche Fans aus Stark Trek als Captain Kirk, als Sympathieträger kommt er auch in People like us prima an.    People like us  ist, wie der Titel sagt, als gut gemachter, nicht überraschender  Hollywoodfilm für Normalos okay.
Aber..
diese Woche kommt der beim Sundancefestival 2012 ausgezeichnete Film   Robot & Frank mit Susan Sarandon
 in die deutschen Kinos, den unbedingt anschauen!
Bis auf weiteres grüßt Movidora 

Sonntag, 14. Oktober 2012

Mann tut was Mann kann von Marc Rothemund, Roman von Hans Rath

Nach längerer Sommerpause und vielen Wochen krank zu Hause starte ich  wieder mit großem Nachholbedarf an Filmen mit  Unterhaltung , Lachen, schönen Kulissen, Landschaften  -
 also auf in die Komödien dieses Herbstes. Woody Allens "To Rome with love" und danach die deutsche Produktion "Mann tut was Mann kann". Leider hat sich - wie vermutet - gezeigt, dass Woody Allen  es immer noch schafft, mich mit  amüsanten überraschenden Szenen und Dialogen zu unterhalten. Zwar hat er Rom in einem ungewöhnlich grauen Licht gezeigt, als ob die Stadt ihm keine Sonne gegönnt hätte.
Rothemunds Film hingegen beginnt mit tollen Aufnahmen aus der Luft auf Berlin bei Nacht, coole Bilder einer Großstadt, die viel hermachen und man erwartet einiges.... Danach landet man allerdings in einem sehr modern gestalteten Hundetierheim, in dem der hippe Paul (Wotan Wilke Möhring) einen Hund zum Spaziergang abholt!! und die Story beginnt:  Verlagsmanager, Single hängt er tatsächlich nach  gescheiterten Ehen und Beziehungen  sein Herz zunächst an den ungestümen Hund Fred und danach an die schöne Tierärztin( Jasmin Gerat), die sich später als Erbin eines Verlagsbesitzers herausstellt. 
Er und 3 weitere Freunde haben  ihre Probleme mit der Suche nach der richtigen Dame , die Damen haben ihre Probleme, die Herren vor den Traualtar zu zerren.
Hans Rath hat noch 2  Romane um diese  Freunde geschrieben, deren Liebeswirren, nächtliche Gespräche und Saufgelage vielleicht doch ein lustiges Drehbuch im Sinne von "die 4erBande und ihre Abenteuer" hätte geben können. Auch konnte Rothemund mit guten Schauspielern aufwarten:  Jan Josef Liefers spielt den trinkfreudigen Kollegen, der mit  Charme und  Weinkenntnissen jede Frau in seinen Bann zieht, Fahri Yardim den lebensklugen armen Künstler und Oliver Korritke das ungewaschene Computergenie. Liefers gibt sich  passend überzogen in dieser Rolle, das macht Spaß, leider spielt Wotan Wilke Möhring  den sentimentalen Hundefreund völlig brav, einfallslos.  Sein Liebeskummer ( Tierärztin steht 2 Tage vor ihrer Heirat) wird zudem mit einer Musik unterlegt,  die jegliche Ironie verhindert. Die besten Gags bringt soweiso wie oft in letzter Zeit in mittelmäßigen Filmen der Hund .
Eine gelungene Mischung aus Pilcherliebesdrama und   Komödie hat Rothemund aus meiner Sicht nicht hinbekommen. So als ob man zu sehr auf sehr anspruchloses Samstagabendkinopublikum gesetzt hätte, Mädels wollen Liebesgedöns, Hochzeitskleider,  Kerle wollen sich amüsieren, derbe Witze , tolle Autos, rundum  Klischee über Klischee.
Mein simpler Vorschlag, getrennt Filme anschauen, danach gemeinsam  - was auch immer unternehmen - , dann bleiben uns solche Komödien erspart und die nationale und Landesfilmförderung kann das Steuergeld anders anlegen.
Dann doch lieber "To Rome with Love" 
bis zum nächsten Movie 
grüßt Euch
Movidora